Die Reise nach Kyoto

Nachdem wir heute morgen zum ersten mal fast eine Stunde länger ausschlafen durften, mussten wir nach dem Frühstück leider aus unserem schönen, für die Dauer der Students Fair gebuchten Comfort-Hotel auschecken. Das offizielle Programm für die ausländischen Delegationen war aber noch nicht ganz zu Ende: Zusammen mit den anderen Gastschülern wurden wir mit Bussen zur „Disaster Reduction and Human Renovation Institution“ gefahren, einem großen Katastrophenmuseum in Kobe.

Dieses Museum ist den vielen Naturkatastrophen wie Erdbeben und Tsunamis gewidmet, die Japan regelmäßig heimsuchen, und insbesondere natürlich dem großen „Hanshin-Awaji-Beben“, welches am 17. Januar 1995 Kobe schwer verwüstete und über 6000 Menschenleben forderte. Zur „Einstimmung“ wurde den Museumsbesuchern zunächst in einem kleinen Stehkino mit seltsam geformter Leinwand ein schockierender Film über die unmittelbaren Auswirkungen der Katastrophe gezeigt: Umfallende Hochhäuser, ganze Etagen, die plötzlich einfach zusammenbrechen, Brückenpfeiler, die wie Streichhölzer einknicken, und ein Bus, der gerade so noch vor der Bruchkante einer betroffenen Brücke bremsen konnte, und anschließend verheerende Brände aufgrund beschädigter Gasleitungen. Alles begleitet vom fürchterlichen Krach des Erdbebens. Am Ende der Vorstellung wurde der Grund für die Form der Leinwand klar: Hinter der Leinwand ging das Licht an und ließ eine aufwändig modellierte Nachbildung von Ruinen des Erdbebens durchscheinen, die durch Feuer- und Kurzschluss-Lichteffekte noch zusätzlichen Realismus erhielt. Eine sehr bedrückende Vorstellung.

Ähnlich bedrückend ging es auch weiter: Der nächste Raum war komplett als solches Erdbeben-Panorama gestaltet. Im weiteren Verlauf gab es auch vom Erdbeben zerstörte Gegenstände mit ihren Geschichten zu sehen, zum Beispiel einen Lichtschalter, der einen umfallenden Schrank daran hinderte, einen alten Mann zu erschlagen, oder in der Mitte durchgebrochene Golfschläger.

Außerdem befasste sich das Museum aber auch mit Möglichkeiten zur Schadensbegrenzung bei Erdbeben sowie im letzten Kino mit dem großen Tsunami von Fukushima 2011, mit ebenfalls sehr bedrückenden Berichten von Überlebenden.

Nach dem Museumsbesuch fuhren die Busse uns zum gemeinsamen Mittagessen, im selben Restaurant, in dem wir auch schon am ersten Tag zu Abend gegessen hatten. Dort hieß es dann auch Abschied nehmen von den Organisatoren sowie den anderen ausländischen Delegationen, mit vielen Fotos und Glückwünschen.

Nach dem Abholen der Koffer im Hotel und einer kurzen Verschnaufpause mussten wir uns außerdem von Kobe und leider auch Frau Ohashi verabschieden, als wir nämlich mit dem „Super Hakuto“-Express zum letzten Teil unserer Reise nach Kyoto aufbrachen.

In Kyoto angekommen trafen wir auf Frau Yamashita, welche uns von nun an in Kyoto begleiten wird. Mit einer Taxikolonne wurden wir anschließend zum Guesthouse Kioto gebracht. Dieses Hostel stellte zwar keinen Vergleich zu unserem gerade verlassenen Hotel dar, war aber auf andere Art und Weise durchaus gemütlich: Die Gemeinschafts- und Schlafräume sind alle streng im altjapanischen Stil gehalten, mit kleinen Schreinnischen in den Zimmern, niedrigen Tischen zum bodennahen essen, einem kleinen Garten und echten Futonbetten.

Unser nächstes Aktionsziel war eine Art Patisserie, in der typisch japanische Süßigkeiten hergestellt und verkauft werden. Wir konnten zunächst der Herstellung zweier kunstvoll gestalteter, toller Leckereien beiwohnen. Ein in einen Kimono gekleideter Meister formte aus den Rohmaterialien Kostbarkeiten, die zu zerteilen wir uns später fast nicht getrauten. Die Rohmassen waren oft mit reichlich Zucker angereicherte Bohnen-, Reis- und Weizenmehlpasten. Der Verzehr dieser stark zuckerhaltigen Speisen wurde ergänzt durch den meist erstmaligen Genuss von Matchatee.

Anschließend ließen wir den Abend mit einem japanischen Sushiabendessen ausklingen. Das Essen wurde über Rollbahnen serviert, mit der zusätzlichen Möglichkeit, spezielle Gerichte über einen Monitor am Tisch zu bestellen, die dann per „Essen auf Rädern“ in Form einer zusätzlichen „Express“-Rollenbahn gezielt an den Tisch geliefert wurden. Aktionen wie ein Sushi-Wettessen haben den Abend sehr lustig und interessant werden lassen.

 

 

„Ohne Soße schmeckt es nicht!“

Less likes, more love

Dies war nicht nur der Titel eines Straßenkunstwerkes, das wir heute bewundert haben, der Spruch eignet sich auch einwandfrei als Motto des heutigen Abschlusses der Super Science Highschool Students Fair.

Obwohl wir heute schon wieder sehr früh aufstehen mussten um pünktlich um 8 Uhr unsere Präsentationsstände in der Messe vorzubereiten und daher während der morgendlichen Versammlung in der großen Halle alle etwas müde waren, war auch dieser letzte Tag der Science Fair sehr erfolgreich.

Bei unseren Erfahrungen mit der Super Science Highschool Students Fair drängte sich ständig der Vergleich mit dem Bundeswettbewerb Jugend forscht auf, der uns ja ursprünglich erst die Reise nach Japan ermöglichte. Ein Beispiel dafür ist, dass die von der Jury als beste angesehenen Projekte am Vormittag einen Vortrag im Plenum halten durften. Auffällig war dabei, dass sich die japanischen Schüler an eine strikte, einheitliche Vortagsform gehalten haben, angefangen von einem stets stoischen Gesichtsausdruck und einer für uns Europäer sehr ungewohnten Verbeugung vor dem Publikum beim Betreten der Bühne. Da aber alle Projekte aus verschiedenen Themengebieten der SSH Students Fair stammten, war für jeden von uns etwas Interessantes dabei und die auf jeden Vortrag folgende Frage-Antwort Diskussionsrunde gab die Gelegenheit, sich näher mit den Schülern und ihren Ideen auseinanderzusetzen.

Das Mittagessen verbrachte die deutsche Delegation heute mit den indischen „Overseas“-Schülerinnen und Schülern, da Frau Sweetwood so nett war, eine Verabredung mit der Gruppe aus Indien zu organisieren – schließlich sind wir hauptsächlich hier, um uns mit anderen Schülern und Nationen auszutauschen und internationale Freundschaften zu schließen. Dies ist uns auch in der Fortführung der Poster-Präsentation am Nachmittag gelungen, da das genauere Erklären unserer Projekte am Stand immer die beste Möglichkeit ist, mit fremden Schülerinnen und Schülern in Kontakt zu kommen.

Beispielsweise wurde Moritz mehrmals von japanischen Schülerinnen angesprochen, die weniger Interesse an seinem Projekt als an einem Selfie mit einem gelockten, hier etwas exotischen Europäer hatten. Das größte Bedürfnis einer weiteren jungen Japanerin war, Klaras rote Haare anzufassen.

Bei der Besichtigung fremder Stände fielen uns auch einige Projekte auf, die in der präsentierten Form bei Jugend forscht schon aus Tierschutzgründen gar nicht erst denkbar wären: Beispielsweise eine Gruppe, die mit Begeisterung Besucher zu ihrem Stand lotsten, um ihnen Videos von Quallen zu präsentieren, denen sie verschiedene Körperteile und Organe amputierten, um herauszufinden wie lange diese ohne sie noch überleben bzw. sich regenerieren können.

Leider war die Präsentationsphase heute nur sehr kurz, und nach etwas mehr als einer Stunde mussten wir alle mit der Hilfe unseres Maskottchens SieFelix-san in Rekordzeit unsere Messestände abbauen. Wie auch die vorherigen deutschen Delegationen in Japan entschieden wir uns, die Banner, die über unseren Postern Auskunft über unsere Schulen und unser Land gaben, mit nach Hause zu nehmen. Missing: Thomas, der noch „wichtige“ Gespräche an anderen Ständen zu führen hatte.

Trotz der kurzen Zeit und ein paar kleineren Schwierigkeiten was den Stauraum für die Ausstellungsstücke anging, hatten sowohl Schüler als auch Lehrer großen Spaß am Abbau und haben sogar noch Zeit gefunden, einige Fotos mit den Schulbannern zu schießen.

Gleich nach dem Verpacken unserer Poster mussten wir uns auch schon wieder in der großen Halle einfinden, in der dann die Siegerehrung stattfand.

Die „Ceremony of Awards“ wies doch große Unterschiede zu der uns bekannten Siegerehrung beim Bundeswettbewerb Jugend forscht auf. Angefangen bei den Auftritten der Offiziellen, welche sich alle erst vor der japanischen Flagge und anschließend vor dem Publikum verneigten. Wenn diese dann die Siegerprojekte verkündeten, wurden vordergründig nur die Schulen der Projekte genannt, im totalen Gegensatz zu Jugend forscht, wo die Jungforscher und ihre Projekte geehrt werden und die Schule maximal im Untertitel eine Erwähnung findet. Dabei fühlten wir uns an Berichte über die japanische Mentalität erinnert, nach der mehr die Gesellschaft im Vordergrund steht, statt das einzelne Individuum.

Im Zuge der Veranstaltung wurden durch den Aufruf eines vertrauten Schulnamens unsere großen Hoffnungen erfüllt: Das Projekt „TIANE – ein offener Smart-Home-Sprachassistent“ der Geschwister Klara und Ferdinand Krämer erhielt den gestern erwähnten Publikumspreis, die höchste zu erreichende Auszeichnung für ausländische Teilnehmer bei diesem Wettbewerb, der durch die Anzahl der vom Publikum verteilten „Good Job“-Sticker entschieden wird.

 

Der weitere Nachmittag und Abend waren sehr interessant, da unsere – übrigens wirklich sehr gut Deutsch sprechende – Dolmetscherin Frau Ohashi uns weiterhin begleitete und uns, während wir durch Kobe wanderten, einiges über die japanische Geschichte erzählte. Dabei stellten wir fest, wie wenig wir tatsächlich über die Vergangenheit des östlichen Landes wussten. Das geringe Wissen, das wir hatten, bezogen wir hauptsächlich aus Kinofilmen wie „Der letzte Samurai“ oder „Die Eleganz des Igels“.

Wir lernten wie Japaner an kleinen Straßenschreinen zu beten und probierten es sogar selbst einmal aus. Dafür zündeten wir Räucherstäbchen an und lenkten mithilfe eines Gongs die Aufmerksamkeit der Götter auf uns um dann zu beten. Es folgten zwei kleine japanische Verbeugungen und das stumme Gebet, das durch erneute Verbeugungen zu beenden war.

Nach einer wunderschönen Hafenwanderung im Sonnenuntergang gingen wir dann alle gemeinsam in einem japanischen Restaurant Okonomiaki essen. Okonomiaki ist eine Art Omelette, bestehend unter anderem aus Nudeln, Ei, Zwiebeln, Käse und Sojasoße. Der bräunlichen Soße gegenüber waren wir zunächst etwas misstrauisch, aber nachdem Frau Ohashi uns mehrfach versicherte: „Ohne Soße schmeckt es nicht“, nahmen wir Schüler sie beim Wort und leerten zwei komplette Flaschen Soße.

Selbstverständlich fand auch unsere eigene Version der „Ice-Challenge“ statt, in der wir unser Trinkwasser durch Eiswürfel ersetzten uns auf Ex „tranken“. Dies verlief bei den unterschiedlichen Teilnehmer verschieden gut…

Auf jeden Fall hatten wir einen tollen Tag mit einem sehr lustigen Abend, nach dem wir alle erschöpft und zufrieden ins Bett fielen.

 

Held des Tages:

Der freundliche, durch den Raum wedelnde, japanische Offizielle, der sein angeblich 20-seitiges Redemanuskript in fünf humorvollen, schlechten englischen Sätzen zusammenfasste.

„Good Job“ auf der SuperScieneHighschool-Fair

Heute Morgen sind wir schon in aller Frühe aufgestanden um wieder in die International Exhibiton Hall zur offiziellen Eröffnung der Super Science Highschool Fair 2019 zu fahren. 

Bei der morgendlichen Begrüßung bedankte sich die stellvertretende Ministerin für Kultur und Wissenschaft Tomoko Ukishima bei den 418 teilnehmenden Schulen und erklärte: „Eure Forschung ist unsere Ressource für die Zukunft.“

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Prof. Dr. Hiromu Samurai aus Kyoto hielt als wissenschaftlichen Appetizer einen Vortrag über den 150. Geburtstag des Chemischen Periodensystems der Elemente. Verfasser des ursprünglichen Periodensystems, Dimitri Mendelejev, entwickelte bei einem Kongress in Karlsruhe 1860 eine Idee, wie die Struktur hinter den Stoffen aussehen könnte.

Interessant wurde es für uns persönlich an den Präsentationsständen, die wir bereits gestern vorbereitet hatten. Dort gaben wir den ganzen Vormittag lang den Japanern und internationalen Besuchern Kurzvorstellungen, in denen wir unsere Projekte und Forschungsergebnisse erklärten. 

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Obwohl wir nicht Teil des offiziellen japanischen Wettbewerbs waren, durften wir sogenannte „Good Job“ Sticker sammeln. Jeder Besucher, dem unser Vortrag und unser Projekt gefallen hat, hatte die Möglichkeit, einen dieser Sticker mit einem kurzen Kommentar über unsere Präsentation zu versehen und auf unsern Ausstellungstisch zu kleben. Morgen, am letzten Tag des Wettbewerbs, wird das Forschungsteam, das die meisten „Good Job“ Aufkleber gesammelt hat, mit einem besonderen Preis ausgezeichnet und von den Gastgebern geehrt. 

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Trotz der Sprachbarriere und des anstrengenden Tages konnten wir alle unsere Projekte erfolgreich vermitteln und hatten sehr viel Spaß bei der Veranstaltung, die Interaktion mit den ausländischen Schülern ist uns allen sehr gut gelungen. Glücklicherweise hatten wir keine Schwierigkeiten, unsere Präsentationen ins Englische zu übersetzen und wir sind alle sehr gespannt auf die Abschlussveranstaltung morgen früh. 

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Natürlich hoffen wir, dass, wie auch in den vergangenen 9 Jahren, eine deutsche Schule den Publikumspreis, entschieden durch die Anzahl der „Good Job“ Sticker, gewinnt.

Der krönende Abschluss des Abends war das Essen in einem bekannten regionalen „Burger-Cafés“, das das weltbekannte „Kobe-Beef“ servierte. 

 

Held des Tages war heute Delegationsmitglied Thomas, der schon in Deutschland Sorge hatte, in Japan kein vernünftiges Brot zu bekommen, und deswegen seit fünf Tagen einen Laib original deutsches Brot mit sich herumträgt und es mit uns allen teilt.